Bericht über meine Mitarbeit im ParizatNestlingHome

von Henny Bierhoff-Weiß, Januar 2020

„Erkläre es mir und ich werde es vergessen. Zeige es mir und ich werde mich erinnern. Lass es mich selber tun und ich werde es verstehen.“ - Konfuzius -

1. Leitung, Mitarbeiterinnen und Board im PNH
2. Die Mädchen im Parizat:
2.1 Alter der Mädchen und Strukturen der Mädchengruppe
2.2 Tagesablauf
2.3 Meine Arbeit mit den Mädchen
3. Umsiedlung nach Dapcha
4. Resümee

 

1 Leitung, Mitarbeiterinnen und Board im PNH

 

Mr und Mrs Moktan leben in einer gesonderten Wohnung im Home und sind täglich anwesend. Die beiden haben die Leitung des Hauses und teilen sich die Aufgaben:
Herr Moktan erledigt alle Verwaltungsarbeiten und kümmert sich um alle organisatorischen Abläufe.
Frau Moktan kümmert sich um die Lebensmitteleinkäufe und näht, zB. Kleidung für die Mädchen.
Häufig sind auch weitere Familienmitglieder anwesend und übernehmen bestimmte Aufgaben.

Weiterhin zum Leitungsteam gehören ca. 3-4 junge Frauen, die ehemals selbst Bewohnerinnen im Heim waren und jetzt neben ihrer Schule oder Studium im Heim mitarbeiten.
Außerdem gibt es noch eine Hausangestellte, die für Kochen, Reinigung der Räume und der Wäsche zuständig ist.

Daneben gibt es das Parizat-Board, das aus 9 Mitglieder*Innen besteht und das Träger des PNH ist. Die Mitglieder kommen aus verschiedenen Berufen, beispielsweise stellvertretender Schulleiter, ehemalige Mitarbeiterin des Gesundheitsministeriums.

 

2.1 Alter der Mädchen und Strukturen der Mädchengruppe

 

Im November 2019 lebten 43 Mädchen im Alter von 6 bis 16 Jahren im Heim. Die Mädchengruppen sind wie folgt eingeteilt:

Small Sisters: (Vorschule bis einschl. Klasse 2)
15 Mädchen zwischen 5 und 8 Jahre alt

Middle-Sisters: (Klasse 3 bis einschl. Klasse 6)
17 Mädchen, im Alter von 9 – 12 Jahren

Big Sisters: (Klasse 7 bis Klasse 10)
11 Mädchen, im Alter von 13 bis 16 Jahren

Jedem jüngeren Mädchen (small sister) ist als Vertrauens-, Ansprech- und Anleitungsperson ein älteres Mädchen (middle oder big sister) zugeordnet.
Für einige der älteren Mädchen gibt es zusätzliche Sonderaufgaben, so z.B. Leitung der morgendlichen Gymnastik- und Turnübungen sowie der abendlichen Meditationen und Gebete, die vor dem Abendessen stattfinden.

Außerdem sind alle Mädchen altersgemischt in 4 Gruppen eingeteilt:
Apple-House, Basket-House, Dolphin-House, Bear-House
Den Gruppen sind jeweils bestimmte Aufgaben zur Reinigung der Innenräume, des Außengeländes, Mithilfe in der Küche, kleinere Lebensmitteleinkäufe, Waschen der Kleidung etc. zugeordnet. Mr. Moktan organisiert das Ganze und bestimmt die Arbeitsweise der vier Gruppen . Die Aufgabenstellungen der Gruppen wechseln in gewissen Zeitabständen, so dass im Laufe der Zeit jedes Mädchen an jeder Aufgabe bzw. Arbeit im Haus beteiligt ist.

 

2.2 Tagesablauf

 

Es gibt in Nepal 6 Werktage und einen Feiertag, das ist der Samstag, der schulfrei ist. Dazu kommen noch viele religiöse Fest- bzw. Feiertage, an denen ebenfalls schulfrei ist.

Tagesablauf der Mädchen:
gilt von sonntags bis freitags:
zwischen 5.00 und 6.00 Uhr morgens aufstehen: beten, lernen für die Schule, Arbeiten im Haus, Frühsport, Frühstück, waschen, umziehen, kämmen, Schulsachen bereitlegen, im Hof aufstellen, Abfahrt zur Schule um 9.00 Uhr
Rückkehr: ca. 16.15 Uhr, waschen, umziehen, essen, Hausaufgaben, spielen, Abendessen, evt. nochmals Lernen, Lesen und um 20.00 Uhr Bettruhe für die jüngeren, um 21.00 Bettruhe für die älteren Mädchen
gilt für Samstags, schulfrei – und schulfreie Feiertage:
6.00 Uhr aufstehen, Beten, Hausarbeiten, Frühstück, 8.00 Uhr Karate-Unterricht; nach 9.00 Uhr: Kleidung waschen, Duschen, Haare waschen, Spielen, Hausaufgaben, Fernsehen, Hausgespräche mit Mr Moktan, sowie manchmal besondere Unternehmungen (Kinobesuche, Schulveranstaltungen…..)
um 12.00 Uhr Mal- und Zeichen-Unterricht,
ab 13.30 Uhr Tanz-Unterricht in verschiedenen Gruppen

 

2.3 Meine Arbeit mit den Mädchen

 

Ich hatte mich auf zwei Schwerpunkte vorbereitet:
Häkeln/Stricken und
Spielen/Basteln.

Das Häkelangebot richtete ich überwiegend an die Mädchen der Altersgruppe von 10 – 16 Jahren und die Spiel- und Bastelangebote an die jüngeren Mädchen.

Vorbereitet hatte ich, in Absprache mit Familie Moktan, Häkelanleitung zu geben und Armstulpen, Schals, Loops, Stirnbänder und Mützen zu fertigen.
Verschiedene Modelle hatte ich zuhause vorbereitet und Häkelnadeln und – für den Anfang – auch Wolle mitgebracht.

Bereits 2016 hatte ich das Häkeln eingeübt und ich war erstaunt, wie viele der Mädchen noch Grundkenntnisse besaßen.
Insgesamt habe ich ca 25 Mädchen unterrichtet und jedes der Mädchen hat mindestens ein Arbeitsstück fertiggestellt, die meisten der Mädchen haben jedoch zwei oder sogar drei Sachen gefertigt. Mehrfach habe ich Wolle nachgekauft, um ihr Interesse und ihren Arbeitseifer zu unterstützen.
Einige der Mädchen konnten und wollten stricken, auch sie konnten Schals und Stirnbänder fertigen.

Mit den jüngeren Kindern, ca. 16 Mädchen habe ich gespielt und gebastelt. Sehr gerne haben sie „Memory“ und „Elfer Raus“ und verschiedene Kreis- und Bewegungsspiele gespielt .
An den Samstagen habe ich mit den jüngeren Mädchen mit Papiere, Kleber, Scheren verschiedene Sterne und andere Dinge gebastelt.
Später sind auch ältere Mädchen dazu gekommen und haben sehr phantasievolle und kunstfertige Papierarbeiten hergestellt.

Insgesamt bin ich nach wie vor von den Mädchen begeistert, von ihrer Offenheit und Herzlichkeit, ihrer Neugierde und Wissbegierde sowie von ihrer Freude, mit mir in Kontakt zu treten.
Die Handarbeits-Angebote wie auch alle übrigen Spiel- und Bastelangebote wurden von allen Mädchen sehr gerne angenommen.
Bei vielen Mädchen, die ich schon 2014 kennengelernt habe, ist mir die positive Entwicklung aufgefallen: von ehemals sehr schüchternen oder auch unruhigen und unkonzentrierten Mädchen haben sie sich zu selbstbewussten und selbständigen jungen Frauen entwickelt.
Beim Handarbeiten und auch beim Arbeiten mit Papier konnten viele Mädchen bereits Gelerntes auffrischen, vertiefen und selbstständig kreativ weiter entwickeln.
Über das konkrete Tun mit den Mädchen ergeben sich sehr viele Gespräche über andere Lebensweisen, andere Einstellungen z.B. gegenüber Partnerschaft, Heirat…. kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede werden deutlich und die Mädchen haben die Möglichkeit, zu vergleichen und sich ihrer eigenen Traditionen und Werte bewusster zu werden.

 

3. Umsiedlung nach Dapcha

 

Im Jahr 2019 konnte Mr Moktan durch Finanzierung unseres Vereins ein Grundstück zur Umsiedlung des Parizats von Kathmandu nach Dapcha (Dorf, ca. 50 km östlich von Kathmandu) erwerben.
Ich konnte im November 2019 Dapcha und auch das Grundstück anschauen.

Das Dorf Dapcha ist eine alte Newar-Stadt und bietet alle Infrastruktur, die für das Parizat und die Mädchen notwendig sind: Schulen, medizinische Versorgung, Post, Bank und Verwaltungsstelle, Einkaufsmöglichkeiten.
Das Grundstück in Dapcha liegt wunderschön, in sonniger, terrassierter Hanglange.
Mr Moktan darf, lt. gesetzlicher Regelungen, das Grundstück nicht unbebaut liegen lassen. Deshalb muss und will Mr Moktan auf jeden Fall in der zweiten Jahreshälfte 2020 mit dem Bauvorhaben beginnen. Die Finanzierung der Bebauung wird durch den Verkauf der Gebäude und des Grundstücks in Kathmandu erfolgen.

Geplant ist zunächst die Wiederherrichtung eines alten, beim Erdbeben verschütteten Brunnens, damit die Wasserversorgung auch langfristig sichergestellt werden kann.
Die nächste Maßnahme wird dann die Bauherrichtung eines Teils des Geländes sein, auf den als erstes Gebäude ein zweigeschossiges Haus im Stil eines sog. Swiss Chalets (Ständerbauweise), mit jeweils 4 Räumen und 2 Toiletten und Duschen errichtet werden soll. Im Baukomplex ist ein Nebengebäude enthalten, in dem eine Küche und einen Essraum gebaut wird.

4. Resümee

 

Wie schon nach meinen vorherigen Aufenthalten im Parizat kann ich nach wie vor betonen, dass es sehr sinnvoll ist, das Parizat Nestling Home zu unterstützen. Die Mädchen bekommen dort durch die umfassende Bildung eine wertvolle Grundlage für ihr künftiges Leben.

In Zukunft ergeben sich durch die Umsiedlung nach Dapcha neue tiefgreifende Veränderungen des Projektes.
Diese Entwicklung zu begleiten und die Schritte stetig mit nachzuvollziehen, wäre mE. für unseren Verein überaus wichtig.

Henny Bierhoff-Weiß

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 Herr Moktan, der Leiter des Parizat Nestling Homes, hat seine Arbeit unter das Motto gestellt: „You educate a man you educate a man. You educate a woman, you educate a generation.“  Herr Moktan sagte uns: „I work for the girls, the country and the society“.

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